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Dienstag, 5. März 2019

Gelesen: Filmfare March 2019

Auf dem Cover der März-Ausgabe von Filmfare ist Sara Ali Khan, Tochter von Saif Ali Khan und Amrita Singh, Stieftochter von Kareena Kapoor Khan und Enkelin von Sharmila Tagore, der mehrfachen Satyajit-Ray-Darstellerin, die sogar Filmintellektuelle mit Bollywood-Ignoranz kennen. "A Sar is born" wird verkündet. Und Chefredakteur Jitesh Pillai schreibt ein lobpreisendes Editorial auf eine junge Dame, die er als sich in der Filmwelt bewegender Journalist hat groß werden sehen. Man kennt sich, man mag sich, man fördert sich. Da kann man natürlich, ganz im Sinne der schimpfenden Kangana Ranaut, sagen, dass Sara es ohne Nepotismus nicht so leicht gehabt hätte. Und das gibt sie auch unverblümt zu. Nepotismus ist Vetternwirtschaft, und die bleibt eben nicht aus, wenn alle miteinander bekannt, verwandt und verschwägert sind. Aber jedenfalls funktioniert es inzwischen auf die einzige Art, auf die Nepotismus existieren sollte: ganz öffentlich und ungeniert. Keiner spielt mehr ahnungslos. Ich kann mich an das eine oder andere Interview erinnern, wo man noch ganz unschuldig so getan hat, als wüsste man nicht, wovon die Rede ist, vermutlich mit großen, erstaunten Augen. Vielleicht auch mit ein Erfolg von Kangana. Jedenfalls wird Sara Ali Khan auf dem Cover zum neugeborenen Star erklärt. So was macht man natürlich nicht bloß aus Nächstenliebe. Denn eine Zeitschrift wie Filmfare lebt vom Startum. Und man braucht immer wieder neue Sterne am Filmhimmel. Ein ganzes Heft nur mit Interviews mit Regisseuren würde vermutlich nicht auf zu großen Anklang stoßen. In dieser Ausgabe ist übrigens nicht ein einziges, was ich dann wieder sehr schade finde.

Aber natürlich ist Sara Ali Khan noch kein Star, wie das Titelblatt behauptet. Selbst sagt sie etwas Schönes über das Starsein von heute, denn man könnte sie auf Instagram bei allen möglichen Dingen sehen und dabei auf dem Klo sitzen: „Wo ist das Startum?“ Einerseits stimmt das. Alles ist öffentlich. Ohne Unterschiede. Das Geheimnis existiert nicht mehr. Andererseits hat man auch früher schon Zeitungen und Zeitschriften auf dem Klo gelesen. Jedenfalls handelt es sich bei ihr also um eine offensichtlich intelligente junge Frau, die bisher in zwei Filmen in Erscheinung getreten ist: KEDARNATH (2018) mit Sushant Singh Rajput und SIMMBA (2019) mit Ranveer Singh, wo sie mehr oder weniger bloß anwesend ist. Ersteren kenne ich nicht. Also lasse ich jeden Kommentar zu ihrem Talent, das sie aber nach allgemeiner Aussage in KEDARNATH zeigt. Angefangen hat sie als Einserstudentin mit einem Abschluss an der Columbia University. Dann veränderte sie sich von der gut genährten Intellektuellen (96 kg) in eine Schauspielerin mit viel Ehrgeiz (55 kg). Und sie gibt einen guten Haarpflegetip: Zwiebeln. Dass sie auf dieses Pflegemittel beim Dreh ihrer beiden Filme nicht verzichtet hat, sehr zum Leidwesen ihrer beiden Filmpartner, zeugt dann aber doch von einem gewissen angeborenen Starbewusstsein. Das nennt man dann wohl blaues Bollywood-Blut.

Das Schönste an diesem Heft sind aber drei Interviews über langlebige und immer noch aktive Karrieren, darunter meine Lieblingsrubrik Nostalgie, diesmal mit Shubha Khote, die schon in den 50ern drehte, darunter auch PAYING GUEST (1957) mit Nutan und Dev Anand. Doch das war noch eine ernste Rolle. Es zog sie langfristig zur Komödie. PAYING GUEST hat sie erst spät im Alter geguckt, weil sie sich nicht in einer bösen Rolle sehen wollte. Sie spielt da nämlich den Vamp. Ihr Lieblingsschauspieler ist James Dean. Und sie vergöttert Dilip Kumar. Der legte einmal seine Hand auf ihren Kopf. Danach hat sie sich tagelang die Haare nicht gewaschen, sehr um Unwillen der Mutter, einer offensichtlich energischen und autoritären Frau, die später dann am liebsten die Hochzeit der Tochter verhindert hätte. Hat sie aber nicht geschafft. Dann ist der immer noch höchst erfolgreiche Anil Kapoor dabei, der jetzt in kurzem Abstand zwei Filme ins Kinos bringt, bei denen er alte Bekanntschaften erneuerte. Einmal die Vidhu-Vinod-Chopra-Produktion EK LADKI KO DEKHA TOH AISA LAGA (2019), in der er zum ersten Mal mit seiner Tochter Sonam Kapoor arbeitet. Und TOTAL DHAMAAL (2019) mit Madhuri Dixit. Beide bilden eines meiner Lieblingstraumpaare. Aber das sieht Anil Kapoor selbst auch so: „Oh Gott, unsere Chemie. Mit ihr zu arbeiten ist so besonders.“ Und schließlich ein Gespräch mit dem gerade mit dem Nationalpreis Padma Shri ausgezeichneten Manoj Bajpayee, den man hier bei uns am ehesten aus Anurag Kashyaps GANGS OF WASSEYPUR (2012) kennt. Er hat es sich in seiner Karriere nicht leicht gemacht, hat immer nur nach seinen Regeln gespielt. Da gab es natürlich auch Tiefen, die andere Schauspieler in den Selbstmord getrieben hätten, meint er. Die schönste Aussage kommt am Ende: „Ich bin extrovertiert, wenn es nötig ist. Ich bin gerne in meiner Schale.“

Klatsch und Mode bieten wieder eine bunte Mischung. Varun Dhawan plant mit Aanand L. Rai, Deepika Padukone mit Meghna Gulzar und Shah Rukh Khan dreht doch keine Astronauten-Biografie, wo doch ZERO (2018) mit seinem Space-Szenen so daneben ging. Dafür gibt es vielleicht DON 3. Das klingt solider und handfester und ambivalent. Die Modeseiten, da geht es diesmal viel um Farben. Grünes Ohrgehänge, Deepika in Schwarz und Weiß, Schauspielerinnen in Rot und dann die eine Seite zum Weglaufen: Shirts und Hemden mit alternativen Ärmeln. Als Bespiele Shraddha Kapoor und Katrina Kaif. Ich möchte weggucken, starre aber verstört hin. Es fällt also auf und man guckt hin. Ziel erreicht. Außerdem gibt es im Heft eine Fotostrecke mit Vicky Kaushal, der gerade einen großen Erfolg mit URI: THE SURGICAL STRIKE (2019) hatte. Der Film hat noch zu zwei weiteren Interviews geführt. Eins mit Mohit Raina, der als Lord Shiva in einer TV-Serie bekannt wurde. Und eins mit Yami Gautam. Dann ist im Heft ein skurril ausgefüllter Fragebogen mit Jim Sarbh, dem schwulen Herrscherberater aus Bhansalis PADMAAVAT (2018). Außerdem Meiyang Chang, der Zahnarzt chinesischer Abstammung ist und dann Sänger wurde und jetzt auch in Bollywood tätig ist. Und schließlich ist Emraan Hashmi im Heft, der mit WHY CHEAT INDIA (2019) unter die Produzenten gegangen ist und ein Buch über die Krebserkrankung seines kleinen Sohnes geschrieben hat, der alles überstanden zu haben scheint. Erschienen ist es jetzt als Taschenbuch und heißt: „Kiss of Life: How a Superhero and My Son defeated Cancer“. Es ist auch hier erhältlich und kostet momentan etwa 15€.

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