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Montag, 18. März 2019

Sujoy Ghoshs BADLA – Wahrheit und Lüge

Amitabh Bachchan, dessen kraftvoller Rap-Gesang im Lied „Aukaat“ soeben den Vorspann von Sujoy Ghoshs BADLA (2019) unterlegt hat, geht im Anzug durch London, betritt ein Haus und darin den Fahrstuhl. In einem oberen Stockwerk klingelt er an einer Wohnungstür, die von Taapsee Pannu geöffnet wird. Die Situation ist schnell geklärt. Er ist der Anwalt Badal Gupta, der noch nie einen Fall verloren hat, und sie die Mordverdächtige Naina Sethi, eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit Mann, Kind und Geliebtem, der umgebracht wurde. Und sie steht unter akutem Tatverdacht. Alles kommt langsam in Gang. Der Zuschauer begreift allmählich, worum es geht. In dieser ruhigen Atmosphäre folgen die ersten Rückblenden. Durch die Fragen des Anwalts entwickelt sich das Gespräch nach und nach zu einem Katz- und Maus-Spiel. Die überraschenden Wendungen schlagen im Verlauf des Films in immer größerer Häufigkeit ein, sodass man gegen Ende eine Zeitlang nichts mehr auseinander halten kann und alles anders ist als erwartet.

Grundlage ist ein mathematisch ausgeklügeltes Drehbuch, das mit den Erwartungen spielt, indem es Standards des Krimis und des Thrillers benutzt, die der allgemeine Zuschauer verinnerlicht hat, ohne dass man die genaue Quelle dafür kennen muss. BADLA ist ein klassischer Verhörkrimi, denn auch wenn es sich hier um Anwalt und Mandantin handelt, so ist die Gesprächssituation des Films eher die eines Kreuzverhörs. Da kann man an den ausgezeichneten, Maßstäbe setzenden französischen Film DAS VERHÖR (1982) denken. Und wenn ein Auto ganz langsam im Sumpf versinkt, dann wartet der eine oder andere sicher auf einen kurzen unbeweglichen Augenblick, eben weil es in Hitchcocks PSYCHO (1960) so passiert. Oder es gibt das Geheimnis des Mordes im von innen verschlossenen Zimmer, das scheinbar rein deduktiv, also durch Schlussfolgerungen aus den vorliegenden Tatsachen heraus, gelöst wird. Edgar Allan Poe setzte da mit seiner Geschichte „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ (1841) einen hohen Maßstab. Doch keine Lösung in dem Film hat lange Bestand. Und aktiv mitdenken kann man als Zuschauer sowieso nicht. Man schaut und hört zu, während die Worte und besonders die Bilder des Films in ihren Rückblenden mehr als eine Lüge, Ungenauigkeit, Fälschung verbergen. Das, was die Zuschauer Alfred Hitchcock in seinem Misserfolg DIE ROTE LOLA (1949) nicht verzeihen konnten, das heißt, eine Rückblende unterzubringen, die sich als Lüge erweist, wird bei BADLA zum Konzept. Und so gibt es manche Szenen in verschiedenen Variationen, die erzählen, wie es gewesen sein könnte. BADLA ist ein spannendes und vergnügliches Rollenspiel, das beim zweiten Gucken natürlich viel von seiner auf Überraschung beruhenden Wirkung verliert.

BADLA, was „Rache“ heißt, ist ein Remake des spanischen Films DER UNSICHTBARE GAST (2017) von Oriol Paulo und hat den Kern des Drehbuchs ohne Änderungen übernommen. Auch manche Sequenzen sind absolut identisch. Aber wie sollte das anders sein bei einer Story, wo jedes Einzelteil vom anderen abhängt. Nähme man eines heraus, würde alles zusammenbrechen. Es kann hierbei nur darum gehen, dass Drehbuch funktional zu verfilmen, damit alles wie ein Uhrwerk ablaufen kann. Auch die Schauspieler, allen voran die beiden Hauptdarsteller, fügen sich diszipliniert in dieses Konzept ein. Dass BADLA dann doch mehr als eine bloße Kopie des Originals ist, liegt an zwei entscheidenden Unterschieden im großen Ganzen. Erstens wurde die Besetzung sozusagen umgepolt. Aus einer Anwältin und einem Klienten wurden ein Anwalt und eine Klientin. Durch Bachchan und Pannu kommen Erinnerungen an den erfolgreichen Gerichtsfilm PINK (2016) von Aniruddha Roy Chowdhury auf, was die Sichtweise des Zschauers unbewusst durchaus beeinflussen kann. Da spielte Amitabh Bachchan den Anwalt für Taapsee Pannu und ihre beiden Freundinnen, die alle drei vergewaltigt wurden. Recht und Unrecht waren da sehr klar verteilt. Zweitens hat BADLA eine völlig andere Atmosphäre. Ist DER UNSICHBARE GAST extra düster mit vielen Szenen am Abend und in der Nacht, dunklen Innenräumen und ausgewaschenen Farben, ist BADLA weitaus heller und klarer und die Bäume etwas grüner. Dadurch steht noch mehr der Dialog im Mittelpunkt, die klare Logik des Verbrechens und des Gesprächs, in dem der Anwalt immer wieder durch Verweise auf die Mahabharata theoretisiert, was in indischen Filmen zwar Standard ist, aber wofür Ghosh eine besondere philosophische Vorliebe hat, beispielsweise: "Es ist nicht immer richtig, Rache zu nehmen, aber es ist ebenso falsch, jedes Mal zu verzeihen." Aus diesem Schlüsselsatz des Films, erster Satz des offiziellen Trailers, hat Amitabh Bachchan sogar ein kleines Musikstück gemacht, was im ersten von drei originellen „Unplugged“-Promovideos ein paar Tage vor der Kinopremiere von BADLA vorgestellt wurde. In diesen Videos unterhält sich Shah Rukh Khan als Produzent des Films mit dem, wie er ihn nennt, „weltbesten Schauspieler“.

Dienstag, 12. März 2019

Sujoy Ghoshs KAHAANI 2 – Vidya Balan kämpft

Alles beginnt in KAHAANI 2: DURGA RANI SINGH (2016) ganz harmonisch mit Vidya Balan als alleinerziehende Mutter Durga Rani Singh und deren im Rollstuhl sitzender Tochter. Beide bereiten sich auf eine Reise in die USA zwecks einer vielleicht helfenden Operation vor. Man lebt in einer einfachen Gegend in der Kleinstadt Chandan Nagar in Westbengalen, wo die Leute um neun Uhr ins Bett gehen, wie die Ehefrau eines in die Provinz degradierten Polizisten mault. Aber hier kann man sich auch gut vor der Vergangenheit verstecken, und warum diese doch so vorbildliche Mutter das nötig hat und wie sie aus ihrer Notsituation wieder herauskommt, darum geht es in den folgenden zwei Stunden. In nur zwei Stunden, sollte man betonen, denn es geschieht sehr viel in diese kurzen Zeit. Es gibt auch einen ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit in Form einer Rückblende, denn Durgas geheimes Tagebuch wird von dem erwähnten Polizisten gelesen, den Arjun Rampal ganz solide spielt und der sich dann auch noch als Ex-Mann aus alten Zeiten herausstellt. Wie gesagt, ganz schön viel auf einmal. Das Gute ist, dass auf die Art ständig etwas Neues passiert. Kurzweilig ist das Ganze. Das Problem ist bloß , dass es manchmal fast zu schnell passiert, sodass man zwischendurch doch mal mit ins Nachdenken gerät, obwohl es dann immer irgendwie passt. Es ist vor allem die Atmosphäre des Films und seiner Schauplätze, durch die er überzeugt. Wenn beispielsweise eine eigentlich klischeehafte Szene durch ein bisschen Origami plötzlich Spannung und etwas Unheimliches und direkt Anzügliches bekommt.

Es hat ein bisschen gedauert, bis Regisseur Sujoy Ghosh, der auch als Schauspieler gearbeitet hat, solch eine Atmosphäre erzeugen konnte und seinen Weg gefunden hat. Sein Regiedebüt hatte er mit JHANKAAR BEATS (2003), einem unterhaltsamem Musikfilm. Aber dann kamen zwei Fehlschläge, bei denen man gleichzeitig den Willen spürte, etwas Besonderes zu schaffen, was aber nur in Verkrampfung endete. HOME DELIVERY: AAPKO... GHAR TAK (2005) sollte ursprünglich wohl lustig mit Botschaft sein. In ALADIN (2009) beschränkt sich das Fantastische auf die Tricks. Beide Filme waren sehr bemüht, funktionierten aber gar nicht. Dann schlug Ghosh eine neue Richtung mit dem Thriller KAHAANI (2012) ein, der gleichzeitig Vidya Balan eine ihrer schönsten Rollen verschaffte. Und er begann, kürzere Filme zu drehen, wo man auch mal etwas anderes ausprobieren kann. Zunächst AHALYA (2015) mit Radhika Apte und Soumitra Chatterjee als Ehepaar mit sehr, sehr großem Altersunterschied, in dessen Haus die Männer, die der weiblichen Verführung der Hausfrau erliegen, in Puppen verwandelt werden. Inspiriert von der Geschichte um Ahalya und Gott Indra hatte der Film auch einiges an Inspiration von einer der Geschichten Satyajit Rays um den Forscher Professor Shonku. Eine direkte Adaption einer Kurzgeschichte Satyajit Rays wurde dann ANUKUL (2017) über einen älteren Hindi-Lehrer, der sich einen intelligenten und dazulernenden Roboter anschafft. Diese beiden Filme sind frei im Netz. Was ich bisher nicht geschafft habe zu sehen, sind drei Filme von etwa 45 Minuten, die 2018 beim indischen Sender StarPlus ausgestrahlt wurden: GOOD LUCK, MIRCHI MALINI und COPY.

Und mit KAHAANI 2 hat Ghosh jetzt ein echtes Franchise, nur dass im zweiten Teil Vidya Balan eine ganz andere Frau spielt. Was ich ein bisschen schade finde. Da „Kahaani“ „Geschichte“ bedeutet, heißt Fortsetzung also nicht, dass die Geschichte weitergeht, sondern dass es eine weitere Geschichte in demselben Stil, nach demselben Prinzip gibt. Der erste Teil lebt vor allem von der Atmosphäre in den Straßen Kalkuttas, der Durga-Puja-Feierlichkeiten. Der jetzige Film ist intimer, ohne Massenszenen. Und da es hier keine Durga Puja gibt, hat man die Hauptfigur einfach Durga genannt, sodass zumindest diese Anspielung auf die Dämonentöterin da ist. Herz des Films ist natürlich wieder Vidya Balan, die zurückhaltend eine Sekretärin an einer Schule spielt. Dort ist ein auffälliges kleines Mädchen, das immer im Unterricht einschläft und auch mal blaue Flecken hat. Das erinnert Durga an ihre eigene Vergangenheit. Sie beschließt, dem Mädchen zu helfen. Wenn im Vorspann auch Medizinern gedankt wird, dann bezieht sich dies vermutlich auf eine korrekte Darstellung von Kindesmissbrauch und ihren Folgen. Einmal das Verhalten des 6-jährigen Opfers, das der erwachsenen Durga mit ihren dunklen Erinnerungen, aber auch das des Täters und der ihn bis zum Mord beschützende Mutter, die bereit ist für ihren Monstersprössling die Enkelin zu opfern. Im Großen und Ganzen ist es eine Mischung aus realistisch Ernsthaftem und Thrillerklischees, wenn etwa plötzlich auch noch eine Profikillerin auftaucht. Aber da es nicht langweilig wird und Vidya Balan vor allem im Rückblendenteil, wo die Hauptfigur voller Unsicherheit ist und sich nur langsam vortastet in ihren Handlungen, ganz wunderbar ist, funktioniert es im Endeffekt, auch wenn das Finale wie eine Pflichtübung mit ein paar Überraschungen, die eigentlich gar keine sind, abgearbeitet wird. Die Seele des Films liegt in der Beziehung aus Wahlmutter und Wahltochter.

Dienstag, 5. März 2019

Gelesen: Filmfare March 2019

Auf dem Cover der März-Ausgabe von Filmfare ist Sara Ali Khan, Tochter von Saif Ali Khan und Amrita Singh, Stieftochter von Kareena Kapoor Khan und Enkelin von Sharmila Tagore, der mehrfachen Satyajit-Ray-Darstellerin, die sogar Filmintellektuelle mit Bollywood-Ignoranz kennen. "A Sar is born" wird verkündet. Und Chefredakteur Jitesh Pillai schreibt ein lobpreisendes Editorial auf eine junge Dame, die er als sich in der Filmwelt bewegender Journalist hat groß werden sehen. Man kennt sich, man mag sich, man fördert sich. Da kann man natürlich, ganz im Sinne der schimpfenden Kangana Ranaut, sagen, dass Sara es ohne Nepotismus nicht so leicht gehabt hätte. Und das gibt sie auch unverblümt zu. Nepotismus ist Vetternwirtschaft, und die bleibt eben nicht aus, wenn alle miteinander bekannt, verwandt und verschwägert sind. Aber jedenfalls funktioniert es inzwischen auf die einzige Art, auf die Nepotismus existieren sollte: ganz öffentlich und ungeniert. Keiner spielt mehr ahnungslos. Ich kann mich an das eine oder andere Interview erinnern, wo man noch ganz unschuldig so getan hat, als wüsste man nicht, wovon die Rede ist, vermutlich mit großen, erstaunten Augen. Vielleicht auch mit ein Erfolg von Kangana. Jedenfalls wird Sara Ali Khan auf dem Cover zum neugeborenen Star erklärt. So was macht man natürlich nicht bloß aus Nächstenliebe. Denn eine Zeitschrift wie Filmfare lebt vom Startum. Und man braucht immer wieder neue Sterne am Filmhimmel. Ein ganzes Heft nur mit Interviews mit Regisseuren würde vermutlich nicht auf zu großen Anklang stoßen. In dieser Ausgabe ist übrigens nicht ein einziges, was ich dann wieder sehr schade finde.

Aber natürlich ist Sara Ali Khan noch kein Star, wie das Titelblatt behauptet. Selbst sagt sie etwas Schönes über das Starsein von heute, denn man könnte sie auf Instagram bei allen möglichen Dingen sehen und dabei auf dem Klo sitzen: „Wo ist das Startum?“ Einerseits stimmt das. Alles ist öffentlich. Ohne Unterschiede. Das Geheimnis existiert nicht mehr. Andererseits hat man auch früher schon Zeitungen und Zeitschriften auf dem Klo gelesen. Jedenfalls handelt es sich bei ihr also um eine offensichtlich intelligente junge Frau, die bisher in zwei Filmen in Erscheinung getreten ist: KEDARNATH (2018) mit Sushant Singh Rajput und SIMMBA (2019) mit Ranveer Singh, wo sie mehr oder weniger bloß anwesend ist. Ersteren kenne ich nicht. Also lasse ich jeden Kommentar zu ihrem Talent, das sie aber nach allgemeiner Aussage in KEDARNATH zeigt. Angefangen hat sie als Einserstudentin mit einem Abschluss an der Columbia University. Dann veränderte sie sich von der gut genährten Intellektuellen (96 kg) in eine Schauspielerin mit viel Ehrgeiz (55 kg). Und sie gibt einen guten Haarpflegetip: Zwiebeln. Dass sie auf dieses Pflegemittel beim Dreh ihrer beiden Filme nicht verzichtet hat, sehr zum Leidwesen ihrer beiden Filmpartner, zeugt dann aber doch von einem gewissen angeborenen Starbewusstsein. Das nennt man dann wohl blaues Bollywood-Blut.

Das Schönste an diesem Heft sind aber drei Interviews über langlebige und immer noch aktive Karrieren, darunter meine Lieblingsrubrik Nostalgie, diesmal mit Shubha Khote, die schon in den 50ern drehte, darunter auch PAYING GUEST (1957) mit Nutan und Dev Anand. Doch das war noch eine ernste Rolle. Es zog sie langfristig zur Komödie. PAYING GUEST hat sie erst spät im Alter geguckt, weil sie sich nicht in einer bösen Rolle sehen wollte. Sie spielt da nämlich den Vamp. Ihr Lieblingsschauspieler ist James Dean. Und sie vergöttert Dilip Kumar. Der legte einmal seine Hand auf ihren Kopf. Danach hat sie sich tagelang die Haare nicht gewaschen, sehr um Unwillen der Mutter, einer offensichtlich energischen und autoritären Frau, die später dann am liebsten die Hochzeit der Tochter verhindert hätte. Hat sie aber nicht geschafft. Dann ist der immer noch höchst erfolgreiche Anil Kapoor dabei, der jetzt in kurzem Abstand zwei Filme ins Kinos bringt, bei denen er alte Bekanntschaften erneuerte. Einmal die Vidhu-Vinod-Chopra-Produktion EK LADKI KO DEKHA TOH AISA LAGA (2019), in der er zum ersten Mal mit seiner Tochter Sonam Kapoor arbeitet. Und TOTAL DHAMAAL (2019) mit Madhuri Dixit. Beide bilden eines meiner Lieblingstraumpaare. Aber das sieht Anil Kapoor selbst auch so: „Oh Gott, unsere Chemie. Mit ihr zu arbeiten ist so besonders.“ Und schließlich ein Gespräch mit dem gerade mit dem Nationalpreis Padma Shri ausgezeichneten Manoj Bajpayee, den man hier bei uns am ehesten aus Anurag Kashyaps GANGS OF WASSEYPUR (2012) kennt. Er hat es sich in seiner Karriere nicht leicht gemacht, hat immer nur nach seinen Regeln gespielt. Da gab es natürlich auch Tiefen, die andere Schauspieler in den Selbstmord getrieben hätten, meint er. Die schönste Aussage kommt am Ende: „Ich bin extrovertiert, wenn es nötig ist. Ich bin gerne in meiner Schale.“

Klatsch und Mode bieten wieder eine bunte Mischung. Varun Dhawan plant mit Aanand L. Rai, Deepika Padukone mit Meghna Gulzar und Shah Rukh Khan dreht doch keine Astronauten-Biografie, wo doch ZERO (2018) mit seinem Space-Szenen so daneben ging. Dafür gibt es vielleicht DON 3. Das klingt solider und handfester und ambivalent. Die Modeseiten, da geht es diesmal viel um Farben. Grünes Ohrgehänge, Deepika in Schwarz und Weiß, Schauspielerinnen in Rot und dann die eine Seite zum Weglaufen: Shirts und Hemden mit alternativen Ärmeln. Als Bespiele Shraddha Kapoor und Katrina Kaif. Ich möchte weggucken, starre aber verstört hin. Es fällt also auf und man guckt hin. Ziel erreicht. Außerdem gibt es im Heft eine Fotostrecke mit Vicky Kaushal, der gerade einen großen Erfolg mit URI: THE SURGICAL STRIKE (2019) hatte. Der Film hat noch zu zwei weiteren Interviews geführt. Eins mit Mohit Raina, der als Lord Shiva in einer TV-Serie bekannt wurde. Und eins mit Yami Gautam. Dann ist im Heft ein skurril ausgefüllter Fragebogen mit Jim Sarbh, dem schwulen Herrscherberater aus Bhansalis PADMAAVAT (2018). Außerdem Meiyang Chang, der Zahnarzt chinesischer Abstammung ist und dann Sänger wurde und jetzt auch in Bollywood tätig ist. Und schließlich ist Emraan Hashmi im Heft, der mit WHY CHEAT INDIA (2019) unter die Produzenten gegangen ist und ein Buch über die Krebserkrankung seines kleinen Sohnes geschrieben hat, der alles überstanden zu haben scheint. Erschienen ist es jetzt als Taschenbuch und heißt: „Kiss of Life: How a Superhero and My Son defeated Cancer“. Es ist auch hier erhältlich und kostet momentan etwa 15€.

Montag, 25. Februar 2019

Zoya Akhtars GULLY BOY – Poesie und Rhythmus

Der junge Poet Murad aus dem Mumbaier Dharavi-Slum findet Stimme, Anerkennung und Bekanntheit durch Hip Hop. Als Freundin hat er, nicht sehr standesgemäß, die Arzttochter Safeena, was die Eltern von beiden nichts wissen. Ein Liebesfilm und ein Hip-Hop-Film. Eine künstlerische Aufstiegsstory gemischt mit etwas Romeo und Julia. Keine originelle Geschichte also an sich, aber Zoya Akhtar hat mit GULLY BOY (2019) ihren bisher besten Film gedreht. Das gemeinsam mit Reema Kagta, selbst eine spannende Regisseurin, verfasste Drehbuch verbindet eine sehr innerliche, intime Geschichte mit den großen Problemthemen Indiens: Kaste, Klasse, Religion. Und dabei hat das Autorenpaar es geschafft, den Film weder zu überladen noch plakativ zu gestalten. Klischees werden nicht nur gemieden, sondern auch geschickt unterlaufen, ohne dass es dabei ironisch wird.

Ein schönes Beispiel ist eine der ersten Szenen in einem Mumbaier Bus. Murad sitzt hinten auf der Bank am Rückfenster und hört Musik. Safeena, mit Kopftuch, steigt ein, bleibt weiter vorne im Gang stehen und schaut öfter zu ihm herüber, während er jeden Blickkontakt vermeidet. Aber hier bahnt sich keine Liebesgeschichte an. Die gibt es schon: Neben Murad wird ein Platz frei, er rutscht zur Seite, sie setzt sich neben ihn und er gibt ihr einen der kleinen Ohrhörer. Sie reden dabei nicht, gucken sich nicht an, halten nur Händchen. Eine sehr keusche, eigentlich unmögliche Beziehung voller Nähe und Distanz. Man trifft sich an der Bushaltestelle, guckt sich oft nur aus der Ferne an. Manchmal kann sie den Argusaugen der Eltern entkommen und man hat ein fast echtes Date. Sie will zu Ende studieren, eine Praxis haben, Chirurgin werden. Das gibt ihr Unabhängigkeit. Und dann will sie Murad. „Ich komme also erst an zweiter Stelle?“, fragt er einmal grinsend, wohl wissend, dass das eine schließlich die Voraussetzung für das andere ist.

GULLY BOY ist auch ein Familienfilm im moslemischen Milieu. Die biologische und die Wahlfamilie. Die Hip-Hop-Gemeinschaft wird Murads zweite Familie. Und erst dadurch bewältigt er die Probleme in der ersten, wo der Vater sich gerade eine zweite Ehefrau ins Haus geholt hat. Auf der anderen Seite Safeena, die sich gerne anders anziehen, Lippenstift benutzen möchte. Mit Kopftuch muss sie herumlaufen, darf nicht ausgehen. Also hat sie ihren Eltern gegenüber eine Überlebensstrategie entwickelt, die bewundernswert ist, aber in ihrer Perfektion sprachlos machen kann. Sie lügt wie gedruckt. Ohne mit der Wimper zu zucken. Und sie lässt sich nichts gefallen. Mädchen, die sich Murad zu sehr nähern, werden notaufnahmereif geprügelt. Alia Bhatt spielt Safeena mit entschlossener Stille, verleiht ihr keinen künstlichen Glamour, vermeidet es, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und wird dadurch um so präsenter gegenüber Ranveer Singh, dem der Film gehört. Man spürt Safeenas Stärke, ihre Härte, die der ruhige Murad auch braucht. Ranveer Singh zeigt zurückhaltend das allmähliche Aufbrechen der schüchternen, introvertierten Schale Murads. Am Ende, bei einer Musiknummer finden Ranveer Singh, der Showman, und Murad zusammen.

Ein Großteil des Films spielt in Dharavi, dem Mumbaier Slum, auf den die Kamera einen bewusst normalen Blick richtet – nichts ausklammert, nichts beschönigt. Einmal gibt es eine große, weite Totale aus der Vogelperspektive. Murad geht nach einem Treffen mit Safeena über eine Brücke nach Dharavi hinein. Darunter ein tiefer langer Graben voller Müll. Das ist erschreckend, faszinierend, eklig und schön. Alles gleichzeitig. Und dann ist es dort einfach so. Auch im Zusammenhang mit Dharavi werden Klischees unterlaufen. Einmal greift Murad, wie ein echter Kinoheld, seinen Freund an, weil der Kinder dealen lässt. Er spielt bürgerliche Gerechtigkeit, die aber oft nichts anderes als gutmenschelnde Selbstgerechtigkeit ist. Denn der Freund sagt ihm, er solle sich bei denen beschweren, die die Kinder in der Gosse zurückgelassen haben. Er zumindest ernähre sie. Dharavi kann ja mit Führungen besichtigt werden. Auch in GULLY BOY wandert einmal eine westliche, weiße Gruppe mit Führer durch die Gassen und durch die Wohnung einer Familie, was 500 Rupien extra kostet. Die Touristen sind ganz offensichtlich begeistert vom Einfallsreichtum angesichts des wenigen Platzes. Wahrscheinlich finden sie es spannend, exotisch, pittoresk. Dieser Blick erinnert an den westlichen Blick auf das populäre indische Kino. Es gibt wohl kaum ein Weltkino, was immer noch so wenig als normal betrachtet wird. Die Berliner Filmfestspiele 2019 sind ein schönes Beispiel dafür. GULLY BOY lief ja dort, was an sich sehr schön ist, aber ich war doch erstaunt, als ich entdeckt habe, in welcher Kategorie. Da stößt man auf die Sektion „Berlinale Special“, wo ansonsten äußerst obskure Werke zu sehen sind, von denen man vermutlich nie wieder etwas hören und sehen wird. Und intelligente Kritiken zu indischem Kino kann man von deutschen Zeitungen sowieso nicht erwarten. Das ZDF etwa charakterisiert Ranveer Singh mit der tollen Information, dass er „in Indien ein Instagram-Star“ ist.

Aber vor allem geht es in GULLY BOY um Hip Hop, um „Poesie und Rhythmus“, wie einmal gesagt wird. Der belanglose und ärgerliche Konsum-Hip-Hop um Kleider, Autos, Weiber, den es natürlich wie überall in Indien gibt und der manchmal auch den Weg in Bollywood-Filme findet, wird gleich in der ersten Filmsequenz voller Verachtung verbal in den Müllhaufen geworfen. Wichtig ist, dass man sich authentisch ausdrückt und, wenn man, wie Murad, in einem Slum groß geworden ist, man damit der ganzen Gemeinschaft eine Stimme gibt. Eine Stimme für soziale Beweglichkeit. Wenn die Gesellschaftsstruktur einer Gesellschaft wie in Stein gemeißelt erscheint, dann nur, weil die Menschen es sich in ihr Inneres haben meißeln lassen und daran glauben. Es ist aber auch ein Fatalismus, der einen überleben lassen kann, wenn man merkt, dass man selber es nicht schafft. So macht es Murads Vater und er ist daran verhärtet. Das heißt nicht, dass nicht andere es nicht schaffen können. Inspiriert ist der Film von den „beiden echten Gully Boys“, den Rappern Divine und Naezy, denen der Film gewidmet ist. Von denen kam vor drei Jahren der Song „Mere Gully Mein“ mit Video heraus. Das wird im Film nicht kopiert, aber in seiner Essenz beibehalten. Aufgenommen in den Straßen und Gassen von Dharavi mit Ranveer Singh als Gully Boy und Siddhant Chaturvedi als MC Sher. Vergleicht man die beiden Videos, sieht man nicht nur die perfektere Ästhetik des Films. Man sieht auch die wärmeren Farben, das weiche Licht, was dem ganzen Film Ruhe und Harmonie innerhalb all der echten Konflikte verleiht.

GULLY BOY gehört zu den modernen Filmen aus Mumbai, die an die Zeit vor dem globalen Phänomen Bollywood anknüpfen, das zu großen Teilen ein Mittelklasse-Kino voller Konsumfreude ist, während die Unterschiede von Kaste, Klasse und Religion zuvor im Kino so wichtig waren. Dass man realistische Filme über diese Themen drehen kann, ohne deprimierend zu sein, wie es das rein materialistisch-politische Kino ja meist ist, hatte man schon in den ersten drei Jahrzehnten des indischen Tonfilms gewusst, von den 30ern bis in die 60er. Stille Poesie und tiefe, echte Gefühle waren das Geheimnis. Und das ist auch die Grundlage von GULLY BOY, der ein Hip-Hop-Film ohne Aggressivität ist, selbst wenn er aggressives Verhalten zeigt. Übrigens nicht nur patriarchalische Brutalität. Hier prügelt auch die Mutter die Tochter mit den Worten „Ich schlag dich tot.“ Daher denke ich bei GULLY BOY eher an Guru Dutts Dichterfilm PYAASA (1957) als etwa an Curtis Hansons Eminem-Film 8 MILES (2002). Und bei den anklagenden sozialen Texten der Lieder denke ich an die indische Tradition, in der sie ganz automatisch stehen, wie etwa der große sozialistische Urdu-Poet Sahir Ludhianvi, der passenderweise auch die Texte für PYAASA geschrieben hat. Und das wiederum passt zu Zoya Akhtars Familiengeschichte. Sie ist ja nicht nur Tochter des Drehbuchautors und Dichters Javed Akhtar. Sie ist auch Enkelin des politisch bewussten Poeten Jan Nisar Akhtar.

Zwei Sequenzen stechen in ihrer Schönheit und Poesie, ihrer Verbindung aus Musik und Bild dabei heraus. Die eine ist die, in der Kalki Koechlin als Sky den zunächst zögerlichen Murad mitnimmt, die Stadt zu bemalen, das heißt kreativ-ästhetischen Widerstand gegen die Konsumgesellschaft, verbildlicht durch Werbung für teure Mode oder Kosmetik, zu leisten, indem man ihre Symbole verändert und verunstaltet. Aber auch hier verzichtet der Film auf Botschaften, sondern zeigt einfach die Schönheit der Nacht, die Freude der Beteiligten, die Fahrt im Auto und dazu singt Ankur Tewari auf dem Soundtrack „Jeene Mein Aaye Maza“, ein sanftes, anschmiegsames, verträumtes, aber auch leicht sperriges Lied im Walzerrythmus, eingeleitet durch melodisches Pfeifen. In einer anderen, brillanten Sequenz werden Murads Fremdheitsgefühl, sein Frust, seine Traurigkeit und damit die demütigende Natur der Klassengesellschaft gezeigt. Es beginnt mit einer einzigen Einstellung. Er hat als Fahrer die Tochter des reichen Hauses in einen großen Club gefahren und wartet. Die Musik zieht ihn an. Er geht vorwärts, um in den Bereich der Musik zu kommen, zuzuhören. Im Hintergrund sieht man den Türsteher, der ihn mehrmals wegwinkt. Frustriert geht er zurück. Man sieht ihn dann im dunklen Auto sitzen, in dessen frischem, blank geputztem Lack sich alle Lichter des Clubs spiegeln wie ein bunter Sternenhimmel. Aber drinnen im Wagen ist es dunkel. Dann rappt er wütend bei einem Song mit. Auf der Rückfahrt sitzt das Mädchen weinend hinten und er muss stumm bleiben. In Gedanken schreibt er einen Text über die Gräben in der Klassengesellschaft. Das geht direkt über in die Studioaufnahme des Liedes und Bilder von dem dazugehörigen Musikvideo. Die Inszenierung transportiert mit wenigen Einstellungen viele Bedeutungen und Gefühle gleichzeitig. Das ist Filmregie, Mise-en-scène, die in Erinnerung bleibt.

Freitag, 22. Februar 2019

Aanand L. Rais ZERO – Shah Rukh Khan ganz klein

Als vor längerer Zeit die Ankündigung kam, dass Regisseur Aanand L. Rai und Shah Rukh Kahn ein gemeinsames Projekt haben, war vermutlich nicht nur ich begeistert. Auf Aanand L. Rai und seine traditionell-modernen Filme – also die beiden TANU UND MANU-Eheprobleme und den melodramatischen RAANJHANAA (2013) – habe ich im india! Magazin vor ein paar Jahren ein Loblied gesungen. Dann kamen die ersten Details von ZERO (2018), die Bilder, Trailer, Aussagen der Beteiligten, und das Ganze schien auf jeden Fall interessant, wenn auch seltsam. Doch selbst als der Film nach der Premiere in der Weihnachtszeit in Indien nicht erfolgreich war, hoffte ich noch, dass es bestimmt nicht am Film liegen kann. Tat es aber. Hohe anfängliche Einspielergebnisse, die schnell absacken, deuten meist darauf hin, dass die, die den Film gesehen haben, den Film nicht weiterempfehlen. Kann ich leider auch nicht. Denn ZERO ist nicht, so wie mit SWADES (2004) ein anderer Misserfolg mit Shah Rukh Khan, seiner Zeit voraus. Auch wenn die Tricktechnik, wie schon in FAN (2016), ganz ausgezeichnet ist.

In keiner Sekunde habe ich mich wirklich für die Story und die Figuren interessiert. Shah Rukh Khan spielt den kleinwüchsigen Bauua, der sich eine Fassade aus Frechheit und Unverschämtheit aufgebaut hat. Das kann er auch deshalb, weil sein Vater, den er regelmäßig zur Verzweiflung treibt, viel Geld hat. Bauua möchte mit Ende Dreißig endlich heiraten und gerät an die brillante und hübsche Astro-Wissenschaftlerin Aafia, gespielt von Anushka Sharma, die aber mit motorischen Störungen im Rollstuhl sitzt. Doch Bauua ist besessen von einer Star-Schauspielerin, also zieht er einen Großteil des Films mit der unglücklich verliebten Katrina Kaif herum, um dann seiner eigenen großen Liebe in die USA zu folgen und erst einmal einen 15-jährigen Marsflug zu machen.

Rai hatte das Thema wohl schon seit 2012 im Kopf. Und leider ist der Film als Reaktion auf den ersten indischen Superheldenfilm KRRISH (2004) eine echte Kopfgeburt. Denn ZERO will den wahren indischen Superhelden präsentieren. Bauua kann die Sterne vom Himmel holen und fliegt am Ende zum Mars. Nur begreift man nicht so richtig, warum das die Menschheit retten soll. Was der Mensch auch anstellt im Weltall, geistig bleibt er, bleiben wir, doch gleich. Und das ist wohl eher die Wurzel allen Übels. Aber der Film behauptet viel, zeigt es bloß nicht, begründet es nicht, lässt den Zuschauer nichts fühlen. Alles, die ganze Machart ist auf perfekt getrimmt: die einzelnen Schauspielerleistungen, die Dekors der Kleinstadt und des Raumzentrum, die digitale Tricktechnik. Das setzt man dem Zuschauer vor, ohne eine Verbindung herzustellen. Alles ist konstruiert, steif, bedeutungsvoll. Das Komische ist nicht komisch. Da Poetische nicht poetisch. Dabei arbeitet Rai ja gar nicht allein. Er hat für all seine Filme Himanshu Sharma als Drehbuchautor. Und dennoch gibt es so viele Themen. Vereinzelt hoppeln sie da orientierungslos rum. Und es gibt Weisheiten und Botschaften von Kalenderqualität, wie die inneren Werte eines Menschen, das Übersichhinauswachsen. Es hilft nur nicht viel, bloß plakativ darauf hinzuweisen, denn dann hätten wir eine perfekte Welt. Aber das Schlimmste ist nicht die zerstückelte Story, die Tatsache, dass man den Figuren in ihrem Verhalten nicht immer ganz folgen kann. Ein Film kann mit so etwas durchaus funktionieren. Das Schlimmste ist die emotionale Vereinzelung. Der Film hat keine Atmosphäre, lebt von Gefühlseinzelteilen. Was am Ende bleibt, ist Ratlosigkeit.

Shah Rukh Khan ist ja, und das Interview in der Februar-Ausgabe von Filmfare ist davon erneut ein Zeugnis, besessen von VFX, empfiehlt die Anwendung auch für normale Filme, zur Perfektionierung von Bild und Ton: „VFX muss für die kleinsten Filme benutzt werden. Regisseure sollten vorantreten und VFX benutzen, um ihr Storytelling zu verbessern.“ Klar propagiert er das. Schließlich gehört zu Shah Rukh Khans Produktionsfirma Red Chillies Entertainment der Ableger Red Chillies VFX mit ein paar hundert Mitarbeitern. Auf livemint.com wird das Unternehmen „als stärkste Post-Produktion-Option in Bollywood“ bezeichnet. Natürlich, es geht um formale Perfektionierung, die beim Dreh Zeit und Geld spart. Eine Perfektionierung, die indisches Kino auf internationalem Niveau halten soll. Sie kann aber auch zu Nachlässigkeit beim Dreh führen, da man ja doch hinterher alles korrigieren kann. Aus einem schlechten Filmemacher wird so kein guter. Und wie sehr man dabei gerade das Storytelling und die elementarsten Gefühle vergessen kann, beweist ja ZERO.

Und dann musste ich noch an THUGS OF HINDUSTAN (2018) denken, noch so ein tricktechnisches Prestigeprojekt mit einem allmählich alternden Star. Hier Aamir Khan, da Shah Rukh Khan. Auch Salman Khan hatte, unter der Regie des sonst so großartigen Kabir Khan, mit TUBELIGHT (2017) ein ehrgeiziges Projekt, das unter guten Absichten und Langeweile in sich zusammensackte. Hrithik Roshan drehte mit MOHENJO DARO (2016), immerhin von Ashutosh-Gowariker, einen großen Monumentalfilm, der nicht funktionierte. Manchmal will man zu viel, ist überehrgeizig. Der Wille zur Größe erzeugt nicht immer Größe. Aber ich glaube nicht, dass die Zeit der alten Helden schon vorbei ist. Das Publikum hat die Filme trotz der Stars links liegen lassen. Nicht weil es genug von den alten, vertrauten Gesichtern hat. Und die Filme zeigen, dass bei allen Hero-Schauspielern noch Ehrgeiz da ist. Aber bei diesen erwähnten gescheiterten Filmen hat er zu Verkrampfung geführt. Shah Rukh Khan fehlt übrigens auch ein bisschen die Anerkennung. Wenn er sagt, dass er nie einen National Award bekommen habe, nie regulär auf Filmfestivals ist, dann lächelt er dabei zwar charmant, aber ich glaube, er meint es ernst.