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Samstag, 13. April 2019

Gelesen: Filmfare April 2019

Einen großen Teil der April-Ausgabe von Filmfare nehmen die „Tea Valley Filmfare Glamour & Style Awards“ ein, wozu es haufenweise Fotos und eine endlose Präsentation der Gewinner gibt. Hübsch anzugucken, schnell von mir durchgeblättert, und die kurzen Texte habe ich gar nicht erst gelesen. Irgendwie ist das Internet so voll von Bildern, dass ich bei einer Zeitschrift am liebsten echte Informationen und längere Texte habe. Aber die gibt es natürlich auch. Das Interessanteste diesmal sind drei Interviews, die hintereinander im Heft sind. Einmal die beiden, getrennt geführten, mit den auf einer Erfolgswelle reitenden Alia Bhatt und Varun Dhawan, die ganz „Heiß! Heiß“ Heiß“ auf dem Titelblatt zu sehen sind, weil die Premiere der Großproduktion KALANK – EWIGE LIEBE (2019) vor der Tür steht. In diesem Schwarzweißstil mit ölig-nassen Haaren sind auch die anderen Bilder. Ich find's eher niedlich als heiß, aber das bedeutet vermutlich bloß, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Also keine weiteren Kommentare dazu. Direkt danach kommt ein Interview mit Govinda, einem großen Star der 90er mit Karriereproblemen.

Für das Interview mit Alia Bhatt hat sich Chefredakteur Jitesh Pillaai höchstpersönlich an die Arbeit gemacht. Ein interessantes Gespräch über die letzte arbeitsintensive Zeit mit drei Filmen gleichzeitig, wobei sie sich wie ein Roboter gefühlt hat. Danach Plauderei über Privates, immerhin ist sie mit Ranbir Kapoor zusammen, der ja schwierig sein soll, wie Pilaai laut vermutet. Aber da kommt die schöne Antwort: „Ranbir ist nicht schwierig. Er ist ein Juwel.“ Und geheiratet wird erst mal nicht. Sagt sie. Übrigens gibt es schon im Vorwort von Pilaai ein Loblied auf Bhatt und Dhawan und ihre Entwicklung. Ich frage mich, ob er den beiden damit wirklich einen Gefallen tut. Und ich frage mich auch in dem Zusammenhang, ob es vielleicht genau dieses Heft ist, was wieder einmal den Zorn von Kangana Ranaut erregt hat. Bekanntlich regt sie sich an sich gerne auf und beschimpft und kritisiert Kollegen aus der Industrie, vermutlich in der Hoffnung, dass sie zurückschimpfen. Jetzt hat sie wieder einmal das Verhätscheln von Filmindustrie-Kindern beklagt. Dass Filmfare das mit diesem Heft tut, kann man nicht leugnen. Das war schon in der letzten Ausgabe mit Sara Ali Khan auf dem Titel so. Andererseits schreibt Filmfare genauso begeisterte, honigsüße Artikel über andere, die die Redaktion mag. In der Februar-Ausgabe war das Vidya Balan, die nun wirklich kein Film-Kind ist. Aber wie dem auch sei, warum nur macht Ranaut gleichzeitig Alia Bhatts Leistung in Zoya Akhtars GULLY BOY (2019) als „mittelmäßig“ nieder? Und was heißt überhaupt Leistung in dem Zusammenhang, als wäre es messbar? Natürlich ist es keine grandiose Ich-spiele-alle-anderen-an-die-Wand-Leistung. Alia Bhatt stellt sich hundertprozentig in den Dienst des Films. Sie ist absolut perfekt, ist natürlich, überzeugend und ohne falsches Ego. Und was „overacting“ ist, weiß sie gar nicht. Das hat sie gar nicht in ihrem System. Und deshalb ist sie in GULLY BOY großartig. Wäre ich Regisseur, ich würde mit ihr arbeiten wollen, und das sehen auch die Großen in Indien so, darunter zwei meiner Lieblingsregisseure, Bhansali und Rajamouli. Ich freu mich drauf.

Eine Sache über Alia Bhatts Karriere, die ich bisher nicht wusste, erfährt man im Interview mit Varun Dhawan, der vor Energie überzuquellen scheint und unendlich viel vor hat, sowohl im Bereich Massenunterhaltung, dem Arbeiten mit digitaler Technik als auch bei anspruchsvollen Filmen. Die beste Nachricht für mich: Er wird wieder mit Sriram Raghavan arbeiten. Er macht aus seinem Herzen grundsätzlich keine Mördergrube. Und da erwähnt er, dass Karan Johar tatsächlich gezweifelt hat, ob er Alia Bhatt für STUDENT OF THE YEAR (2012) nehmen sollte, aber Dhawan war sich sicher, dass aus dem Mädchen mal etwas Großes werden würde. Ganz ehrlich, ich hab es nicht gesehen. In STUDENT OF THE YEAR war einmal Sidharth Malhotra, der ganz offensichtlich ein guter Schauspieler war und ist, wenn auch vielleicht nicht der große Massenheld. Und bei Bhatt und Dhawan hatte ich einfach nur das Gefühl, sie wären nach Typ besetzt worden. Bei ihr musste erst Imtiaz Alis HIGHWAY (2014) kommen, damit ich meine Meinung änderte. Bei ihm war es Sriram Raghavans BADLAPUR (2015).

Direkt danach, und das ist passend, ein Interview mit Govinda, der einen Haufen Filme mit Varuns Papa David gedreht hat und diesem einst sogar zum Durchbruch verholfen hat. Jetzt dreht der sich weg, wenn er seinen alten Star sieht. Es ist interessant, ein Interview zu lesen mit einem Star im Karrieretief, so direkt nach den Gesprächen mit Zweien, bei denen nicht abzusehen ist, wie weit es noch nach oben gehen könnte, wenn es denn weiter nach oben geht. Bei Govindas letztem Film gab es Schwierigkeiten, und er und der Regisseur vermuten, dass es kein Zufall, sondern eine Intrige war, dass die Zensurbehörde erst einmal die Freigabe verweigerte und es dann nicht genug Leinwände gab, um das Werk unter die Leute zu bringen. Das vierte und letzte große Gespräch ist mit Badhshah, dem Musiker und Sänger, der schon viel für Filme gearbeitet hat und Schauspielambitionen hat, auch wenn er bis jetzt alle Angebote abgelehnt hat, auch eines von Karan Johar, mit dem er sich immer über Mode unterhält. Ein nettes Interview, wo ich dann mal systematisch gleichzeitig die Songs, die erwähnt werden, kontrolliert habe auf YouTube und immer wieder bei bekannten Videos und Filmbildern dachte: Ach, das Lied ist von dem ...

Natürlich gibt es wie in jeder Filmfare-Ausgabe auch News, etwas Beziehungsklatsch, neue Projekte, das meiste war schon im Internet. Deshalb picke ich nur eine Sache raus, die mich am meisten freut: Bhansali wird ein Biopic über Sahir Ludhianvi drehen, den großen Urdu-Dichter, dessen bekannteste Arbeit die Texte zu den Liedern in Guru Dutts PYAASA (1957) ist. Ludhianvi hatte eine komplizierte Beziehung zu Frauen, und war andererseits seiner Mutter eng verbunden. Abhishek Bachchan wird ihn höchst wahrscheinlich spielen. So, und zum Schluss mal wieder ein paar unqualifizierte Bemerkungen zu den Mode-Seiten. Was offensichtlich in ist, sind unsymmetrische Kleider, also schiefe. Macht mich aber nervös, wenn ich hingucke. Auch wenn der Inhalt aus Deepika Padukone oder Priyanka Chopra besteht. Aber offensichtlich fühlen sie sich selbst sehr wohl darin. Und das ist ja die Hauptsache. Eine ganze Seite Stars in Denim, für mich immer noch Jeans, und dazu weiße Oberbekleidung. Als hätte man es schon mal gesehen und die Redaktion ein altes Foto recycelt. Dann gibt es noch witzige bunte Handtaschen, Sonnenbrillen und die immer elegante Sonam Kapoor. Ihr Styling bedeutet viel, viel Arbeit und Zeitaufwand, was sie auch mal in einem Interview ausgeführt hat. Vielleicht sollte man Filmfare Awards für geduldige Ehemänner von modisch ganz besonders bewussten Stars vergeben. Ihr Ehemann müsste den ersten erhalten.

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